Gebäudethermografie Voraussetzungen
Die Oberflächentemperaturen werden im wesentlichen durch die Außen- und Innenlufttemperaturen bestimmt. Zusätzlich können Umwelteinflüsse wie Wind, Regen und Sonneneinstrahlung zu einer Erwärmung oder Abkühlung der Gebäudehülle führen und die wärmestrombedingten Temperaturen an der Bauteiloberfläche verfälschen. Damit wird der Zeitraum zur Durchführung der Gebäudethermografie deutlich eingeengt, vorzugsweise auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden bei windstillem und trockenem Wetter.
Zusammen mit den im Objektinneren vorhandenen oder zu schaffenden Verhältnissen werden hiermit die Voraussetzungen bestimmt, unter denen thermografische Untersuchungen vorgenommen werden können. Verwertbare Messergebnisse bei der Thermografie von Gebäuden im Außenbereich können nur erzielt werden, wenn folgende Voraussetzungen eingehalten werden:

¦ Aufnahmezeit in späten Abend-/frühen Morgenstunden oder bedingt an trüben Tagen
¦ Differenz Außentemperatur – Raumtemperatur > (10 … 20) K
¦ trockene Witterung und Windverhältnisse < 2 m/s
¦ Innenräume gleichmäßig temperiert (Innentüren offen) und Fenster geschlossen
¦ automatische Nachtabsenkung der Heizung außer Betrieb nehmen

Gebäudethermografie von Innen oder Außen
Grundsätzlich ist es möglich sowohl die Gebäudeaußenflächen als auch innerhalb des Gebäudes zu
thermografieren. Beide Verfahrensweisen haben Vor- und Nachteile. Schließlich entscheiden die
Aufgabenstellung einer thermografischen Untersuchung, die Gebäudekonstruktion oder die vorhandenen
Umgebungsbedingungen mit darüber, welcher Aufnahmestandort zweckmäßigerweise gewählt werden
sollte. So sind beispielsweise hinterlüftete Fassaden grundsätzlich nur von innen, Heizkörpernischen
vorrangig von außen zu thermografieren.

Thermografie der äußeren Gebäudehülle: Sie wird hauptsächlich zur schnellen und übersichtlichen Erkennung von Wärmebrücken und Feuchteschäden an der Außenwand durchgeführt. In der Regel kann die gesamte Wärme abgebende Außenwand im Überblick gut eingesehen werden.

Thermografie im Innenbereich: Zur detaillierten Untersuchung von Bauteilen bedient man sich bevorzugt der Innenthermografie.

Kontrolle der Bausführung
Die im Bauwesen am häufigsten auftretenden wärmetechnischen Baumängel, welche auch zu Bauschäden führen können, stellen zweifelsohne die Wärmebrücken dar. Das sind örtlich begrenzte Stellen mit gegenüber den umgebenden Bereichen erhöhtem Wärmedurchgang. Sie sind nicht nur für erhöhte Energieverluste verantwortlich, sondern auch für Tauwasserbildung und letztendlich für Schimmelpilzbefall. So kann unter bestimmten Umständen die am betroffenen kalten Bauteil vorbeiströmende warme Raumluft bis zur Taupunkttemperatur abgekühlt werden. Infolge der Kondensation schlägt sich Feuchtigkeit nieder und bietet die Voraussetzung für Schimmelpilzbefall. Der gleiche Effekt kann bei Luftundichtigkeiten insbesondere im Fugenbereich von Leichtbau-Außenwänden auftreten. Die warme Raumluft wird über luftundichte Bauteile auf die kalte, ungedämmte Seite befördert. Dabei kann warme, mit viel Wasserdampf angereicherte Luft soweit heruntergekühlt werden bis sich Tauwasser niederschlägt. Besonders Konstruktionselemente aus Holz können hierbei langfristig zerstört
werden. Die Luftdichtigkeitsprüfung sollte in Verbindung mit einer thermografischen Untersuchung im Inneren des Gebäudes erfolgen.

Erkennen verdeckter Bauteile
die qualitative thermografische Untersuchung bietet unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, verdeckte Rohrleitungen, Leckagen an Heizleitungen oder auch die Lage von verdeckten Konstruktionselementen zu orten. Hierbei wird der Einfluss der unterschiedlichen Wärmewiderstände und Wärmekapazitäten der zu ortenden Objekte auf den Wärmedurchgang bzw. die Tatsache, dass die zu ortenden Objekte Wärmequellen oder Wärmesenken sind,
genutzt.